Warum gibt es die Seelania?

Nachdem Bürgermeister Jakob Scharf 2 Faschingszüge fast alleine durchgeführt hatte, war man sich auch bei den daran teilnehmenden Vereinen einig, die Organisation auf eine breitere Basis zu stellen. Dies klappte auch beim zweiten Anlauf am 27.01.1990 im Gasthaus Graef.

In seiner Einführungsrede betonte der Bürgermeister vor den insgesamt 20 Anwesenden, dass der neue Verein eng mit allen Ortsvereinen, um die Faschingszugtradition fortzusetzen, zusammenarbeiten sollte.

Entsprechend sah auch die erste gewählte Vorstandschaft aus – aus vielen Vereinen kamen die Elferräte:

 

Der Gründungselferrat:

Präsident Michael Metz (Radfahr- und Wanderverein Concordia), Vizepräsident Jakob Scharf (bis heute im Elferrat), Vizepräsidentin Petra Schwarz, Schatzmeisterin: Elfriede Fiedler (Schützenverein Auerhahn), Schriftführer Franz Scharf (Burschenverein Tannengrün und später Präsident), Beisitzer: Josef Großer (Wasserwacht), Günther Müller (Yachtclub), Marianne Dauerer (Frauen-Union), Siggi Stangl (Radfahr- und Wanderverein Concordia, bis März 2000 im Elferrat), Hans Obermeier jun. (Burschenverein Tannengrün) und Achim Schmidmeier (Burschenverein Tannengrün). Als Kassenrevisoren fungierten Josef Beer jun. (Schützenverein Auerhahn) und Christian Obermeier (Burschenverein Tannengrün, heute Elferrat und Exprinz).

 

Woher der Name “Seelania”?

Auf Vorschlag von Jakob Scharf wurde der Name “Faschingsgesellschaft Seelania Steinberg” gewählt.

Seelania deshalb, weil Steinberg am größten See der Oberpfalz, dem Steinberger See, liegt (einst Braunkohlefördergebiet im Tagebau).

 

Der Schlachtruf der Seelania:

Schnell war auch der entsprechende Schlachtruf gefunden. Nicht das übliche Helau, sondern ein dreifach kräftiges SEE-LAU sollte man in Zukunft in der fünften Jahreszeit in Steinberg bei jeder Faschingsveranstaltung hören.

 

Wichtige Festlegungen in der Gründungsversammlung:

Auch eine vorbereitete Satzung wurde einstimmig genehmigt.

Als Vereinsfarben sind darin rot/schwarz festgelegt. Dies als Zeichen der politischen, närrischen, Neutralität.

Der Mitgliedsbeitrag wurde, wie sollte es anders sein, auf 11,11 DM, festgelegt, jedes weitere Familienmitglied zahlte 1,11 DM jährlich.

Erstes gefasstes Ziel war die Mitgliederwerbung, die Schaffung einer finanziellen Basis und die Gründung einer Prinzengarde. Denn was ist schon ein Faschingszug ohne Prinzenpaar, ein Prinzenpaar ohne Prinzengarde.

 

Entstehung der ersten Steinberger Prinzengarde:

Eine Möglichkeit sah der Elferrat, in Bezug auf eine Prinzengarde, in der Zusammenarbeit mit der örtlichen DJK-SV und hier im besonderen mit Frau Erika Rathgeb. Sie erklärte sich spontan bereit mit ihren Tanzmäusen, die schon von Kind auf bei der Gymnastikabteilung Sport betrieben, einen Gardetanz und einen Showtanz einzustudieren.

Jetzt war der Verein aber vor das Problem der Einkleidung gestellt.Hier war Kassiererin Elfriede Fiedler unermüdlich darum bemüht, bei einem Kassenstand von Null, die Finanzen anzuheben.

Ihr war es auch zu verdanken, das die Eltern der Mädchen die Kostüme vorfinanzierten und auf drei Jahre abgezahlt wurden.

Gespart wurde und wird auch noch heute, so z.B. waren die ersten Tanzstiefel einfache weiße Winterstiefel aus einem Sonderangebot.

 

Die Mitglieder der Gründungsprinzengarde:

In der Gründungsprinzengarde (nicht Jugendgarde!) tanzten folgende Mädchen im Alter von 14 (!) und 16 Jahren: Gardekommandeuse Evi Woppmann, Silke Weber, Katja Bemmerl, Katrin Malinowski, Marion Jobst, Sandra Scharf, Kornelia Bauer, Silke Kappes, Nicole Emmert und Andrea Vetter.

 

Erste Aktivitäten im Gründerjahr

Der Elferrat bereitete in den Sommermonaten die erste Prunksitzung zur Faschingseröffnung vor.

Günther Müller entwarf das Wappen der Seelania: die Seejungfrau mit Narrenkappe im Steinberger See.

 

Fieberhaft wurde nach einem Prinzenpaar gesucht. Dies war auch schon damals nicht einfach.

Zur Hebung der Finanzen veranstaltete man im Herbst 1990 ein Weinfest.

 

Fasching, Karneval oder Fastnachtzeit

In der eigenen Kinderzeit regte sich zu nahender Faschingszeit immer ein schönes Gefühl der Vorfreude. Hier durfte sich verkleidet werden, hier eine andere Person gespielt werden, im weitesten Sinne ein anderes Ich, hier durften närrische Sachen gemacht werden, die sonst schwerlich toleriert würden. Der genaue Hintergrund war zu dieser Lebenszeit unbekannt und es kann davon ausgegangen werden, dass die wenigsten die ‚Närrische Zeit' einer historischen Sinnprüfung unterziehen, dafür ist sie in den katholischen Gebieten Deutschlands zu sehr Inhalt des gelebten Kulturgutes.

In der Geschichte ist es keine Seltenheit, dass ältere Kulte nicht mehr verstanden werden und neue Interpretationen Eingang in die Auslegung des Brauchtums finden. Manchmal werden die alten unverstanden Kulte einfach missverständlich neu gedeutet. Erinnert sei hier unter anderem an die verloren gegangene Begründung beim römischen Kultus der Virgines Vestales, bei dem man in späterer Zeit vergessen hatte, warum die Vestalinnen das Heilwasser aus der Quelle der Camena schöpfen mussten. In der Quelle der Camena wurde ursprünglich die Quellnymphe Egeria verehrt, die als Beraterin des mythischen Königs Numa galt. Aus Camena wurde Carmen gemacht, die Heilquelle wurde zur Musenquelle.
Manchmal wird das Brauchtum den aktuellen politisch-religiösen Erfordernissen angepasst und überlagert. Die Geburt Jesu Christi wurde in der Spätantike vom Tag der Heiligen Drei Könige auf den 24. Dezember gelegt. Es ist die Zeit der Wintersonnenwende, unter anderem die Zeit der Auferstehung des altorientalischen Schöpfungsgottes (Schöpfung - Sonne - Leben), dessen Wiederkunft im jährlich wiederholten Schöpfungskultus zelebriert wurde. Die Überlagerung der mächtigen altorientalischen und antiken Kulte des Ahura Mazda, der Isis, des Mithras sowie von Sol invictus verhalfen auch zur Durchsetzung des Christentums über die heidnische Vergangenheit.

Die Wurzeln der scherzhafter Weise auch ‚fünfte Jahreszeit' genannten Faschings-, Fastnachts- oder Karnevalszeit reichen weit in die vorchristlichen germanischen Zeiten zurück, in denen die Naturvölker Mitteleuropas in ihrem heidnischen Mythos die Götter in der Natur versinnbildlicht verehrten.
Um diese Jahreszeit keimte die Hoffnung auf den sich ankündigenden Frühling bei den im jahreszeitlichen Einklang mit der Natur lebenden Menschen auf.
Die ungleich stärkere Aussetzung des Menschen in den harten Wintern macht es verständlich, dass die Wiedergeburt der Natur im Frühling besonderer Bedeutung zugemessen wurde. Die Rückkehr der Sonne und des wärmenden Lichtes ist hier sicher als Symbol des sich regenerierenden Lebens selbst aufgefasst worden. Die Sturmgeister des Winters, die sich im alles umwallenden Nebel, in Krankheiten, im Mangel an allem und in der schneidenden Kälte offenbarten, mussten symbolisch vertrieben werden. Die Tradition der Fastnachtzeit mit ihrer Interpretation als Vorfrühlings- und Fruchtbarkeitsfest findet lange vor dem 12. Jahrhundert Erwähnung. Die ‚Narreteien' und ‚Mummenschänze', mit denen symbolisch die Geister des Winters vertrieben werden sollten, prägten das Bild jener Tage im Februar seit der vorchristlichen Zeit.
Eine Übersetzung und Deutung des Namens Fastnacht ist aus dem mittelhochdeutschen Wort vas(e)naht entlehnt und bedeutet soviel wie Unfug treiben zu nächtlicher Stunde über die Freude am kommenden Frühling. Der fröhliche Übermut der Menschen ließ sich von der Hoffnung auf die jahreszeitliche Wende inspirieren und kanalisierte gleichzeitig soziale Missstände.
Der Katholischen Kirche dürfte dies anfangs unklar gewesen sein, weswegen immer wieder versucht wurde, die heidnischen Bräuche zu unterbinden. Diese Bestrebungen scheiterten am jahrtausende altem Brauchtum, so dass wie bei vielen anderen Feiertagen dann doch das Positive für die christliche Sache herausgezogen und betont wurde. Es fand hier, wie oben schon erwähnt bei Weihnachten, eine Überlagerung des Brauchtums durch neue christliche Einflüsse statt.
Angesprochen wurde die Umkehr aller Werte, die in der Fastnachtszeit zelebriert wurde, die unweigerlich zum Chaos führen musste. Dem chaotischen Kosmos der närrischen Welt wurde mit dem Aschermittwoch ein Ende gesetzt und der göttlich-mittelalterlichen Ordnung in ihrer Unveränderbarkeit der kosmisch-irdischen Hierarchie zu ihrem ‚Recht' verholfen.
Der Begriff Fastnacht deutet allerdings auch deutlich den christlichen Aspekt an. Im christlichen Jahreskalender bzw. dem Kirchenjahr ist die Zeit vor Ostern die vierzigtägige Zeit des Fastens, in welcher die Wiederauferstehung des Herrn in Jesu Christi als Zeit der demütigen Enthaltsamkeit und eines entsprechend besonders gottgefälligen Lebens gefeiert wird. Die Faschings- bzw. Fastnachtszeit erlaubt hier noch einmal vor Aschermittwoch das Ausleben menschlichster Triebe, die sich unter anderem im ausgiebigen Schmausen, Trinken, Unfug treiben oder sonstigen ‚fragwürdigen' Vergnügungen Ausdruck verleihen.
Hier wird das Miteinander von heidnischem Ursprung und christlicher Bedeutungszuweisung besonders deutlich.
Soziale Spannungen werden in dieser Zeit durch die Umkehrung der Gebräuche und Sitten abgebaut und kanalisiert. Für die Psychologie der Moderne täte sich hier ein spannendes Forschungsgebiet zum Spannungsverhältnis Mensch und Macht auf.

Getrost kann hier zum Schluss Goethes Wort im Osterspaziergang angeführt werden, als er Faust im Gespräch mit Wagner das Volk bei seinen Festlichkeiten besuchen und fast befremdlich spöttelnd bewerten lässt:

Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!